Auf das Fundament kommt es an

Damit das neue Medienhaus auf Fels und nicht auf Sand gebaut ist, wurden im Mai Baugrunduntersuchungen durchgeführt.

Seit fast 60 Jahren gibt es ERF Medien und seit über 40 Jahren arbeiten wir Mitarbeiter in ein und demselben Gebäude. Kein Wunder, dass erheblicher Renovierungsbedarf entstanden ist. Deswegen haben wir beschlossen, ein neues Medienhaus zu bauen. 2020 wollen wir umziehen. Doch bis dahin ist es – im wahrsten Sinn des Wortes – ein steiniger Weg. Denn sowohl das alte als auch das neue Gebäude befinden sich im Wetzlarer Ortsteil Dalheim – einem Ortsteil, in dem vor vielen Jahren Bergbau betrieben wurde. Deshalb ist der gesamte Ortsteil von Stollen durchzogen. Bevor man also baut, sollte man sich das Fundament anschauen. Das haben wir getan. Im Mai haben einige seltsame Geräte mit rhythmischem Stampfen auf sich aufmerksam gemacht. Als Baureporter wollte ich wissen, was da los ist – und habe Robert Bittel, den internen Architekten unseres Neubauprojekts ERF 2020, befragt.

Claas Kaeseler: Was genau haben wir im Mai auf unserem Parkplatz gehört?

Robert Bittel: Das waren Bohrgeräte für die Baugrunduntersuchung. Die haben bis zu 25 Meter tiefe Löcher gebohrt. Und anhand der Bohrkerne kann man herausfinden, wie die verschiedenen Gesteins- und Erdarten übereinander liegen. Das ist für unseren Neubau wichtig zu wissen, damit er fest gegründet ist. Also möglichst auf Fels und nicht auf Sand.

Claas Kaeseler: Du hast hier ein „Exemplar“ des Baugrundes. Was kann man daran erkennen?

Robert Bittel: Letztendlich braucht man natürlich Spezialisten. Aber das hier ist ein Stückchen aus dem Fels, in den man hineingebohrt hat. Diese Bohrkerne sind 25 Meter lang und werden in 1-Meter Abschnitten in Kisten verpackt. Diese werden dann untersucht und anhand der Bohrkerne kann man potentielle Problematiken feststellen. Bei den Baugrunduntersuchungen geht es nicht nur um die Fundamentierung, sondern beispielsweise auch um die Sicherung der Baugrube oder um die Frage nach dem Grundwasser – was sich auf die Abdichtung des Gebäudes auswirken würde. Letzteres ist bei uns aber kein Problem.

Der interne Architekt des Projekts ERF2020, Robert Bittel, mit einem Stück Fels aus der Baugrunduntersuchung

Claas Kaeseler: Dalheim ist ehemaliges Bergbaugebiet, das heißt hier gibt es Tunnel. War das einer der Gründe für die Untersuchung?

Robert Bittel: Das ist auf jeden Fall mit analysiert worden. Es gibt Kartenmaterial von diesem Gebiet und die grundlegenden Informationen konnte man schon aus den Karten entnehmen. Bei der Untersuchung im Mai wollten wir etwas genauer hinschauen und haben die entsprechenden Bohrpunkte an den vermeintlich kritischsten Stellen gesetzt. Die Analyse hat keine überraschenden, neuen Resultate hervorgebracht. Für das weitere Vorgehen und die Kostenentwicklung des Projekts ERF2020 stellen die Ergebnisse also kein Problem dar.

Claas Kaeseler: Hätten die Untersuchungen dazu führen können, dass der geplante Neubau gekippt wird?

Robert Bittel: Das wäre nicht passiert. Es hätte höchstens zu einem zusätzlichen finanziellen Aufwand kommen können. Wie sich herausgestellt hat, beginnt die Felsoberkante in 7-9 Metern Tiefe. Bis dahin müssen wir sogenannte Bohrpfähle setzten. Das heißt, wir bringen Betonpfähle im Durchmesser von 90 cm in den Boden ein. Auf diese Pfähle wird ein Beton-Gitter als Fundament gelegt. Darauf wird dann die Bodenplatte gegossen.

Die existierenden Bergbauaufschüttungen liegen oberhalb der Felsoberkante, so dass hier statisch nichts getragen werden muss. Das Gebäude steht sozusagen auf Füßen auf dem Fels.

Robert Bittel wurde 1960 in Bingen am Rhein geboren. Nach dem Studium der Architektur an der TH Darmstadt arbeitete er ab 1990 als Projektleiter in einigen Architekturbüros in Darmstadt und Frankfurt. 2005 hat er sich als Architekt selbständig gemacht. Seit 15. April 2018 ist er bei ERF Medien als interner Architekt des Neubauprojekts ERF 2020 tätig.

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