Warum ich mich auf den Neubau freue

Das Rohr leckt, der Abfluss ist verstopft. Am Auspuff sind erste Rostspuren zu erkennen und an den Wänden blättert Putz und Farbe ab. Nichts in dieser Welt ist für die Ewigkeit. Alles wird alt und zerfällt. Irgendwann nagt der Zahn der Zeit so sehr am Gegenstand, dass es nur noch eine Lösung gibt: Abreißen oder wegwerfen und ersetzen.
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Nicht mehr lange nutzbar

Dieses Naturgesetz macht auch vor dem ERF Medienhaus nicht Halt. Seit fast 60 Jahren gibt es den ERF – und sein Gebäude ist nur unwesentlich jünger. Der erste Teil des Medienhauses wurde 1970 gebaut, in jeweils zehn Jahren Abstand folgten zwei weitere Bauabschnitte. Seit knapp 30 Jahren arbeiten in diesem Haus zwischen 100 und 200 Mitarbeitern. Ich bin seit über 10 Jahren im Haus und habe mittlerweile in allen drei Gebäudetrakten gearbeitet.

Nach so vielen Jahren fühlt sich der Gebäudekomplex wie ein zweites Zuhause an. Doch meine berufliche Heimat ist in die Jahre gekommen. Die Radiostudios sind extrem brandgefährdet, bestehen sie doch zu einem Großteil aus Holz. Die Fenster sind in den wenigsten Teilen des Hauses doppelt oder dreifach verglast. Ohne Ventilator war das Arbeiten im Hochsommer in den meisten meiner Büros unerträglich. Aber energetisch wurde vor 30 Jahren eben ganz anders gebaut.


Abreißen oder sanieren?

ERF Medien beauftragte darum Architekten und Fachplaner, um das Gebäude zu untersuchen und einen Entwurf und Kostenvorschlag für eine Sanierung abzugeben. Mehrere Monate hat das gedauert – am Ende kam ein unerwartetes Ergebnis dabei heraus. Die Kosten der Sanierung sind so hoch, dass eine vorher fast undenkbare Lösung neu in den Fokus geriet: Neubau statt Sanierung.

Schon länger steht fest, dass es so nicht weitergehen kann. Die Feuerwehr hat bereits mehrfach mit der Schließung der Studios gedroht. Die Hausmeister sind ständig unterwegs, um das Gebäude zumindest einigermaßen in Schuss zu halten. Kein Wunder also, dass der Vorstand 2013 keine Alternative mehr gesehen hat, als sich intensiv mit baulichen Maßnahmen auseinanderzusetzen. Ein „einfach weiter so“ war keine Option mehr.


Ein teures Projekt

Sofort wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Parallel zum Sanierungs-Entwurf wurden Lösungen für einen Neubau erarbeitet. Eine spannende Zeit – auch für uns Mitarbeiter. Die Argumente für und gegen einen Neubau wurden unter uns ebenso intensiv und leidenschaftlich diskutiert wie die Pro- und Contra-Argumente für eine Sanierung.

Parallel zur Gebäudeplanung hat der Bauausschuss Kontakte mit der Stadt, den Unterstützern und befreundeten Werken aufgenommen. Schon damals war klar, dass die Kosten – egal ob für Sanierung oder Neubau – für ein spendenfinanziertes Unternehmen wie ERF Medien eine enorme Belastungs- und Vertrauensprobe darstellt.


Ein Medienhaus, das uns zukunftsfähig macht

Ende 2017 wurden dem Aufsichtsrat die beiden Entwürfe vorgestellt. Diese Entwürfe erhielten auch neue Schätzungen zum finanziellen Aufwand. Auf der einen Seite die knapp 20 Millionen Euro teure Sanierung, auf der anderen Seite der etwas teurere Neubau. Ein so altes Gebäude zu sanieren erschien mir bei überschaubaren Mehrkosten für den Neubau wenig sinnvoll. Ein Neubau macht bisher undenkbare Änderungen möglich. So können alle Studios in einem Geschoss untergebracht werden. Wenn dann noch die Redaktionsteams in die Nähe der Studios rückt, spart das deutlich an Arbeitswegen und ermöglicht kürzere und bessere Absprachen.

Doch der Bauausschuss hat noch weiter gedacht – bzw. sich interessante Fragen gestellt: Wie kann man ein Medienhaus so bauen, dass man für die nächsten 30 Jahre zukunftsfähig wird und das Gebäude Ausdruck einer modernen Arbeitskultur wird?

Das aktuelle Gebäude bietet aufgrund seiner Bauweise wenig Möglichkeiten, crossmedial und kooperativ zu arbeiten. Die meisten Kollegen arbeiten in Einzelbüros. Agiles Arbeiten über das eigene Team oder den eigenen Bereich hinaus ist schon im Hinblick auf die Bürosituation schwierig. Ein neues Gebäude bietet die Möglichkeit, die vernetzte Arbeitsweise der Gegenwart bereits in der Planung miteinzubeziehen und im Design der Räumlichkeiten umzusetzen.

Wie beim gesamten Bauvorhaben wurde aus meiner Sicht auch hier strategisch vorgegangen. Einige Kollegen haben sich moderne Medienhäuser angeschaut, in denen schon crossmedial gearbeitet wird. Die Mitarbeitervertretung war bei den Besuchen der Studios von FFH und MDR in Erfurt dabei. Ziel war und ist eine offene Bürostruktur zu etablieren – denn wenn man schon baut, dann richtig!


Knapp 22 Millionen Euro in zwei Jahren

Am 11. Dezember 2017 hat der Aufsichtsrat über das Projekt ERF2020 abgestimmt und sich einstimmig für den Neubau entschieden. Bei dem finanziellen Aufwand ist das für mich ein positives Zeichen und eine Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg sich lohnt. Gebaut wird – und das ist sicher auch eine Besonderheit – auf dem momentan existierenden Grundstück. Dort, wo sich aktuell die Parkplätze befinden, wird ab 2019 der erste Spatenstich des Neubaus gemacht. Sobald der Neubau bezugsfertig ist – das wird vermutlich ein anderthalb Jahre dauern — ziehen wir in das neue Gebäude um. Wenn alles so über die Bühne geht wie geplant, arbeite ich ab 2020 in einem neuen, zeitgemäßen und wirklich schönen Medienhaus.

Positiv stimmt mich, dass sowohl die finanzielle Planung, als auch die bauliche Konzeption einen soliden und fundierten Eindruck machen. Von den knapp 22 Millionen Euro ist schon jetzt über die Hälfte finanziert.

Trotzdem sind noch knapp 10 Millionen Euro notwendig. Doch wenn Gott mit ERF Medien noch etwas vor hat und unsere Arbeit auch in Zukunft nutzen will, damit Menschen ihn kennenlernen, dann wird er alle offenen Fragen klären – egal, ob sie finanzieller, geistlicher oder architektonischer Natur sind. Vielen Dank, wenn Sie uns im Gebet unterstützen und auch in anderer Art und Weise an unserem Medienhaus der Zukunft mit bauen.

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